Godesburg – Bad Godesberg
Projekt
Godesburg – Bad Godesberg
Kategorie
Naturstein
Auftraggeber
Städtisches Gebäudemanagement Bonn
Zeitraum
2013/2016; 2021/2022; 2026
Ort
Bonn
Die Godesburg prägt bis heute das Stadtbild des Bonner Stadtteils Bad Godesberg. Die Höhenburg wurde im 13. Jahrhundert auf einem vulkanischen Basaltkegel errichtet und diente ursprünglich als kurkölnische Festungsanlage sowie als repräsentativer Sitz der Kölner Erzbischöfe. Durch ihre exponierte Lage oberhalb des Rheintals besitzt die Godesburg eine hohe historische, architektonische und städtebauliche Bedeutung. Trotz der teilweisen Zerstörung im 16. Jahrhundert ist die Anlage bis heute als markantes Wahrzeichen erhalten geblieben.
Das Kernbauwerk bestand ursprünglich aus einer Ringmauer, einem Bergfried sowie verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden innerhalb der Anlage. Der Bergfried ist das auffälligste erhaltene Bauelement der Burg. Er besteht überwiegend aus Bruchsteinmauerwerk, das aus lokal verfügbarem Gestein, insbesondere Basalt, errichtet wurde. Basalt eignete sich aufgrund seiner Härte und Widerstandsfähigkeit besonders gut für Verteidigungsanlagen. Ergänzend dazu wurden auch Trachyt und andere vulkanische Gesteine verwendet.
Nach der Zerstörung im Jahr 1583 während des Truchsessischen Krieges blieb die Godesburg lange eine Ruine. Spätere Restaurierungs- und Ausbauarbeiten, insbesondere im 20. Jahrhundert, führten zu einer Teilrekonstruktion und Integration moderner Materialien wie Beton und Stahl, vor allem für die Nutzung als Restaurant und Hotel.
Der noch umfassend erhaltene mittelalterliche Bergfried der Godesburg besteht aus massiven Mauern aus Tuffziegeln. An den stark bewitterten Turmseiten wiesen die Tuffziegel extreme Schäden auf, in Form von Bröckelzerfall, Rissbildungen, Abschalungen und desolaten Fugenmörteln.
Nach einer Erstuntersuchung und dem dabei festgestellten hohen Gefährdungspotential wurde der Turm über mehrere Jahre mit einem Schutznetz versehen. Die Stadt Bonn (Gebäudemanagement) beauftragte das Fachplanungsbüro LRP mit der Erstellung eines denkmalpflegerisch geprägten Sanierungskonzeptes, der Ausführungsplanung und der fachtechnischen Begleitung der Maßnahme.
Das objektspezifisch für den Bergfried abgestimmte Restaurierungskonzept umfasste sehr unterschiedliche Maßnahmen im Spannungsfeld einer rein konservatorischen Sicherung und einer handwerklichen Sanierung. Das Maßnahmenkonzept wurde durch das LRP-Fachplanungsbüro entwickelt und in ein Leistungsverzeichnis zur Ausschreibung umgesetzt. Sämtliche Maßnahmen wurden mit den beteiligten Denkmalbehörden (Rheinisches Amt für Denkmalpflege und Untere Denkmalbehörde der Stadt Bonn) abgestimmt und im laufenden Ausführungsprozess über Musterflächen definiert. Die Gesamtmaßnahme umfasste die nachfolgend aufgelisteten, restauratorisch geprägten Sanierungsmaßnahmen:
- Strukturelle Festigung des Steingefüges mit elastifiziertem Kieselsäureester auf Basis umfangreicher Voruntersuchungen und Messungen zur Eindringtiefe und zum Festigkeitsverlauf
- Entwicklung eines Restauriermörtels für die Reprofilierung von Tuffziegeln auf Basis eines Romanzementes mit angepassten physikomechanischen Eigenschaften. Durch den Einsatz dieses Reprofilierungsmörtels konnte die Zahl des notwendigen Steinaustausches reduziert werden.
- Entwicklung eines Fugenmörtels zur Erneuerung desolater Zementverfugungen einer älteren Sanierungsmaßnahme. Der Fugenmörtel wurde in Gefüge, Farbigkeit und Eigenschaften exakt auf die bauzeitlichen Fugen abgestimmt, die noch in größeren Flächen erhalten sind.
- Statisch-konstruktive Sicherungsmaßnahmen wie Einbau von Vernadelungen oder Spi-ralankern, Verpressen von Hohlräumen im Mauerwerk.
- Austausch stark geschädigter Tuffziegel und unzulänglicher Austauschziegel einer älteren Sanierungsmaßnahme. In Vorbemusterungen wurden verschiedene Versuche durchgeführt, um die glatt gesägten Oberflächen der Austauschziegel dem angewitterten Altbestand besser anzupassen. Die Anpassung erfolgte nach Abstimmung mit den Denkmalbehörden durch das Bearbeiten der Oberflächen mit einem Nadler.
- Montage von Walzbleiabdeckungen auf wasserführenden Bauteilen.
Die Untersuchungen dienten einer ersten Grundlagenermittlung zum Bestand und Zustand der Umfassungsmauern. Bestandsaufnahmen erfolgten durch „händische“ Begutachtung während spezifischer Bauteilbegehungen. Schwer zugängliche Bereiche wurden mittels Drohnenbefliegungen inspiziert.
Durch das in den Untersuchungsbericht eingebettete maßnahmenrelevantes Schadensglossar wurde der allg. Erhaltungszustand der unterschiedlichen Mauer-abschnitte sowie die entsprechende Dringlichkeit von Sanierungsmaßnahmen ihrem jeweiligen Kontext evaluiert und ausgewertet.
Anhand einer Gefährdungsanalyse wurden Schädigungsprozesse und Schadensmechanismen,
welche sich nachteilig auf den Substanzerhalt und/oder die Standsicherheit der untersuchten Bauteile auswirken diagnostiziert. Somit konnten die wesentlichen schadensfördernden Einflussfaktoren aufgezeigt werden.
Die fundierte fachtechnische Bewertung der Schadensbefunde mündete schließlich in eine zusammenfassenden fachtechnische Empfehlung und Skizzierung erforderlicher Sanierungsmaßnahmen.
Das abschließend formulierte orientierende Maßnahmenkonzept ist als grundlegende Basis für die weiterführende Sanierungsplanung und damit einhergehenden bauseitigen planerischen Abstimmungsprozesse zu verstehen.
Im Auftrag der Stadt Bonn erfolgte im März 2026 eine Begehung und Untersuchung primär der Innenräume des Umbaus von 1959 von Gottfried Böhm sowie auch der historischen Burgmauern nachdem diese teilweise vom Grünbewuchs befreit wurden. Intention der Begutachtung war es, qualitative und quantitative Befunde zum Schadensbild der allgemeinen Bausubstanz sowohl der historischen als auch der bauzeitlichen (1959) Strukturen im Innenraum zu untersuchen.
Im Rahmen der Begutachtung erfolgte eine optische und haptische Prüfung der Flächen zur Erfassung und Charakterisierung der verbauten Werkstoffe und der unterschiedlichen Schadensphänomene. Aus den Erkenntnissen erfolgte die Erstellung eines Schadensglossars und eines maßnahmenorientierten Untersuchungsberichtes. Die gesammelten Ergebnisse wurden dabei in detaillierten Erläuterungen zu Schäden und Schadensursachen sowie entsprechenden Handlungsempfehlungen zur Sanierung und Restaurierung in den verschiedenen an den Fassaden vertretenden Gewerken und Werkstoffen zusammengefasst.
































