Historisches Rathaus – Bocholt

Projekt

Historisches Rathaus – Bocholt

Kategorie
Naturstein I Ziegelmauerwerk
Auftraggeber
Stadt Bocholt – Gebäudewirtschaft
Technisches Gebäudemanagement
Zeitraum
2016 und 2025
Ort
Bocholt

Das Historische Rathaus in Bocholt prägt mit seiner markanten Architektur das Stadtbild am Markt. Erbaut in den Jahren 1616-1619 diente das im spätgotischen Stil gehaltene Gebäude über Jahrhunderte hinweg als Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude nach Rekonstruktionszeichnungen von 1912 wiederaufgebaut. Noch heute besitzt das Rathaus eine hohe städtebauliche und historische Bedeutung. Besonders charakteristisch sind die reich gegliederte Schaufassade sowie der prägnante Staffelgiebel aus Ziegelmauerwerk und Natursteinelementen. Das Gebäude wurde in seinen nun mehr über 400 Jahren vielfach umgebaut, renoviert und restauriert. Auch heute zeigen sich die Außenfassaden in einem restaurierungsbedürftigen Zustand. Dies bezieht sich jedoch vor allem auf die Metall- und Natursteinelemente, welche durch Exposition und Witterung stark angegriffen sind.

Bei dem Rathaus handelt es sich um einen mehrgeschossigen Massivbau, dessen Tragstruktur überwiegend aus Mauerwerk besteht. Die Fassaden zeigen insgesamt eine Kombination aus Backstein und Naturstein, wobei die roten Ziegel in regelmäßigen Lagen im Kreuzverband angeordnet sind und durch helle Natursteinelemente gegliedert werden. Gesimse, Fensterrahmungen, figürliche Schmuckelemente sowie die Giebelabdeckungen und Bogengänge der Arkaden sind aus Naturstein gefertigt, vor allem aus Baumberger Kalksandstein und ähnlichen später in Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen hinzugekommenen Sand- und Kalksteinen. Diese Natursteinelemente sind nicht nur konstruktiv, sondern auch gestalterisch von Bedeutung, da sie die horizontale und vertikale Struktur der Fassade betonen.

Im Auftrag der Stadt Bocholt erfolgten zwischen November 2023 und September 2024 Befahrungen und Begutachtungen der Fassaden des Gebäudes durch das LRP-Fachplanungsbüro. Intention der Begutachtung war es, qualitative und quantitative Befunde zum Schadensbild der Fassadensubstanz zu erhalten, um auf Basis dieser Erkenntnisse ein erstes Maßnahmenkonzept zur Sanierung der Fassaden zu entwickeln, das auf die objektspezifischen Gegebenheiten abgestimmt ist. In einem weiteren Planungsschritt können anschließend eine Ausführungsplanung und die Erstellung von Leistungsverzeichnissen zur Sanierung durchgeführt werden. Im Rahmen der Begutachtung erfolgte eine optische und haptische Prüfung der Flächen zur Erfassung und Charakterisierung der verbauten Werkstoffe und der unterschiedlichen Schadensphänomene. An repräsentativen Stellen wurde die kapillare Wasseraufnahme mit dem Karstenschen Prüfröhrchen sowohl am Ziegelmauerwerk als auch an Natursteinelementen gemessen.

Ergebnis der Untersuchung war ein ausführlicher Bericht mit detaillierten Erläuterungen zu Schäden und Schadensursachen sowie entsprechenden Handlungsempfehlungen zur Sanierung und Restaurierung in den verschiedenen an den Fassaden vertretenden Gewerken und Werkstoffen.